Ein Gespräch mit Peter Weiser, der im Komitee der Gedenkausstellung im Belvedere ist.
Barbara Petsch
Die Presse: Welche Erinnerungen haben Sie an die Nachkriegszeit?
Peter Weiser: Mit 19 kennt man keine Angst. Ich kann mich vor allem daran erinnern: Wenn man um acht Uhr eine Vorlesung auf der Universität hatte, musste man um sechs aufbrechen. Öffentliche Verkehrsmittel gingen nicht regelmäßig. In dieser Zeit konnte man unglaublich viel lesen. Ich habe damals den ganzen Aristophanes und den ganzen Sophokles gelesen.
Die Presse: Was wird man in der Ausstellung sehen?
Weiser: Die Entwicklung Österreichs vom Zerfall der Donaumonarchie bis heute, illustriert mit moderner Ausstellungstechnik. Es geht um Symbole, die für jedermann lebendig und verständlich sind. Heute arbeitet man ja sehr viel mit Licht, Elektronik. Da gibt es zum Beispiel eine rotweißrote Fahne mit beschriftetem weißem Feld, die geht durch die ganze Ausstellung, alle Räume, klettert über Türstöcke.
Die Presse: Gibt es heute noch Patriotismus?
Weiser: Wenn Sie jemanden fragen: Ist Heimat dort, wo du begraben werden willst, sagt er sofort: Ja. Vor 80 Jahren hätte man gesagt: Ist Heimat das, wofür du bereit bist zu sterben? Da wird man heute kaum mehr jemanden finden, der „Ja“ sagt. Was ist Heimat in einer Zeit der Globalisierung? Das Land, in dem man leben möchte? Wo man seine Frau gefunden hat? Prof. Bruckmüller hat ein Buch mit einer Umfrage herausgegeben, da antworten Leute auf die Frage: Worauf sind Sie in Österreich am meisten stolz? Weitaus vorrangig wird die Natur genannt, Berge, Seen, die Landschaft, die Städte, die Sauberkeit. Das ist identisch mit der Bundeshymne: Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome. Das Nächste ist dann Kunst und Kultur. Das Dritte: der Ruf, den Österreich genießt.
Die Presse: Gibt es eine österreichische Seele?
Weiser: Natürlich, die Seele ist der Gesellschaft abhanden gekommen, aber es gibt sie. Karl Kraus hat gesagt, Österreich unterscheidet sich von Deutschland durch die gemeinsame Sprache. Es gibt noch andere Unterscheidungen. Bei einem Fußballmatch Deutschland gegen Italien werden die Österreicher immer auf Seiten der Italiener sein. Österreicher und Deutsche sind in vielen Dingen verschieden: Österreicher sind kritischer, haben mehr Humor, sind intriganter bzw. intrigieren schlauer. Österreicher sind weltoffener, das hat mit unserer Vergangenheit zu tun.
diepresse.com, 25.01.2005
Lösung: Den Text der Österreichischen Bundeshymne finden Sie hier.