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Österreich 1945: Ein Zeitzeuge berichtet / Transkription

/ Ich hab eine jüdische Großmutter gehabt, hab also nicht den Rassenvorstellungen der Nazis entsprochen und hatte dementsprechend in der Schule entsprechende Sanktionen zu erleiden und das hat mich das Ganze irgendwie doch bewusster politischer erleben lassen. Was mich an diesem Gedenkjahr eigentlich mehr verwundert als stört, ist dieses Hochstilisieren, dieses politische Hochjubeln des Jahres 1955. Für mich war entscheidend das Jahr 1945, das Kriegsende, das Ende der Nazidiktatur. Und während ich 1955 im Beruf stand, den Staatsvertrag eigentlich im Büro verdämmert hab, nicht bewusst miterlebt hab, ist mir das Jahr 1945 sehr bewusst in Erinnerung und in vieler Hinsicht eigentlich eingebrannt in mein Leben, in meine Seele. Es hat angefangen damit, dass an einem Februartag ich mit meiner Mutter in den öffentlichen Luftschutzkeller in der Kirche in der – wie heißt die Kirche? – „Maria vom Berge Karmel“ gehen wollte, weil dort die ganzen Mütter und Kinder der Siedlung immer Unterschlupf gefunden hatten. Aus irgendeinem Grund sind wir dann zu spät... war es schon zu spät, waren die Flieger schon da, konnten wir nicht mehr weg. Und wir sind normal im Haus im Keller geblieben. Dann war ein ganz, ganz schlimmer Angriff. Die... der Boden hat gezittert, das Licht hat geflackert, und ja als dann wieder alles vorüber war, hat sich herausgestellt, dass gerade die Kirche, in die wir uns flüchten wollten, getroffen wurde und dort über 100 Tote unter den Trümmern lagen. Ich hab dann als Bub g’sehn wie man die Toten dort aufgeschlichtet hat, auf der Böschung eines Sportplatzes und allein der Gedanke: „Da wär ich jetzt auch drunter, wenn net irgendein blöder Zufall uns dran gehindert hätte dorthin zu laufen und ...“, der war schon ziemlich beklemmend.

 

/ Wie alt warst du damals?

 

/ Ich war damals, ja, 13 vorbei.



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