Die acht Literaturhäuser in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Köln, Stuttgart, Leipzig und Salzburg bringen wieder Poesie in ihre Städte. Die dritte derartige Aktion wurde soeben in München eröffnet. Thema ist „Fußball“. Acht Autoren wurden eingeladen, Gedichte zu verfassen, um – wie es in der Ankündigung der Literaturhäuser heißt – „Menschen im öffentlichen Raum mit Gegenwartslyrik zu konfrontieren“.
Ilse Aichinger hat zum Beispiel zum Thema Fußball gedichtet:
Ein Spiel dauert 90
Minuten. Und wie lange
dauern 90 Minuten? Wie
lange dauern sie ohne
Gesellschaft? Und wer
erträgt sie?
Urs Widmer hat seinem Gedicht den Titel „Gebet“ gegeben:
Oh Kahn geh nicht unter!
Oh Ballack bleib rund!
Kuranyi! Sei munter!
Oh Klose bleib gsund!
Oh Becken werde Bauer!
Oh Klins sei ein Mann!
Seid lustig nicht sauer
und tut was ihr kann!
Diese Fußball-Gedichte sowie weitere von Elfriede Jelinek (wahrheitsgetreu), Robert Gernhardt (langweilig), Péter Esterházy (langweilt sich offenbar ebenfalls beim Fußball), Ulrike Draesner (dichtet auch schon in der zweiten Zeile das Spielende herbei), Günter Grass (nein, diesmal nicht nobelpreisverdächtig) und Franzobel (unrund, aber wenigstens zum Schluss witzig) werden auf Plakaten und Citylights, über Poesie-Karten und E-Cards unters Volk gebracht. In der Stadt Salzburg wird zudem neuerlich ein „Poesie-Bus“ unterwegs sein.
Salzburger Nachrichten, 4.7.2005