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Das klingende Gemüse

Das erste Wiener Gemüseorchester

 

Karl Pufler

 

Vor sieben Jahren wurden zehn Wiener zu einem kleinen Underground-Festival eingeladen. Die jungen Musiker setzten sich zusammen und überlegten sich etwas für ihren Auftritt. Spontan wurde die Idee geboren, Musik mit Instrumenten aus Gemüse darzubringen. Dies war die Geburtsstunde des ersten Wiener Gemüseorchesters.

 

Was als einmalige Auftrittsidee gedacht war, feiert bis heute große Erfolge. So können die zehn Wiener auf 30 bis 40 Auftritte jährlich und immerhin 2000 bis 3000 verkaufte CDs verweisen. Als Grundidee steht immer die Partnerschaftlichkeit. So kann jeder Einzelne durch ein anderes Mitglied des Orchesters ersetzt werden. Da jeder auch einen „bürgerlichen“ Beruf ausübt, können nicht alle Mitglieder des Wiener Gemüseorchesters zu allen Konzerten auftreten.

 

Das Publikum, das sich die Wiener weltweit erspielt haben, ist kräftig durchgemischt – also nicht nur „Avantgardisten“. Die Rückmeldungen sind durchgehend positiv. Dies können die Musiker auch nach jedem Auftritt selbst überprüfen, denn nach dem Konzert wird traditionellerweise zur Gemüsesuppe geladen.

 

Anfangs war man da sehr puristisch und verkochte sogar Instrumente. Aus hygienischen und Mengengründen (die Konzertbesucher wurden zahlreicher) ging man dazu über, die Suppe aus anderem Gemüse zu machen und heute wird auch Gemüse verwendet, das man zuvor nicht hören konnte – Hauptsache es schmeckt.

 

Natürlich hat das Wiener Gemüseorchester auch mit Problemen zu kämpfen, die andere Musiker nicht kennen. So müssen die Instrumente für jede Probe und jeden Auftritt neu gekauft und zusammengebaut werden. Besonders bei Auslandskonzerten gesellt sich noch das Beschaffungsproblem hinzu: Wo ist der beste Markt, der die notwendigen „Instrumente“ im Angebot hat.

 

Nach dem Zusammenbau der schmackhaften Instrumente, der je nach Orchestrierung ein bis zwei Stunden dauert, müssen die Gemüsemusiker an die Konservierung denken. So verliert etwa die Karottenflöte an Klang. Um dies zu verhindern, wird sie bis zum Auftritt in ein feuchtes Tuch gewickelt.

 

Am Ende eines arbeitsreichen Tages kann dann auch das Publikum mit Geschmack hören. Statt Gitarren, Schlagzeug, Laptop oder Sampler tönen Karotten, Gurken, Rettichmarimba oder Radi. Und nach der Musik kann man die wohltönenden Instrumente in Form von Suppe nochmals genießen...

 

Wenn auch Sie das erste Wiener Gemüseorchester genießen möchten, so können Sie unter www.gemueseorchester.org Informationen nachlesen oder wohlschmeckende Töne hören. Die aktuelle CD „Automate“ (erschienen bei Extraplatte) sowie deren Vorgänger erhalten Sie im Fachhandel.

 

Wiener Bezirkszeitung 13/2005

 

 

Link: www.gemueseorchester.org

 


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