Borstentiere gedeihen im Stiftswald / Nachfolgeprojekte in Vorbereitung
Sechzig "glückliche Bio-Schweine" bevölkern seit zehn Wochen den Stiftswald von Geras. "Wissenschaftlich gehütet und umsorgt" werden die aufgeweckten Borstentiere von Tierärzten und Professoren der Universität für Bodenkultur in Wien. Das erste Mal seit vielen Jahrzehnten wird in dem Pilotprojekt Sozialverhalten und Wachstum von Landschweinen in Freilandhaltung untersucht. Den Gutsverwalter erkennen die kontaktfreudigen Vierbeiner schon von weitem und stürmen mit flatternden Ohren und neugierig vorgestreckten Rüsseln zwischen den alten Pappeln hervor. "Aufpassen, jetzt wollen sie spielen", warnt Andreas Kocourek bevor das erste Ferkel an seinem Stiefel zu nagen beginnt. "Der versucht mir schon seit Wochen einen Stiefel auszuziehen", lacht der Gutsverwalter und beutelt seinen verspielten Schützling vom Fuß, während er von forschenden Rüsseln von allen Seiten angestubst wird. Fast drei Hektar groß ist das Stiftsareal, in dem die glücklichen Vierbeiner ausgelassen ihre Freiheit genießen dürfen. Die rosaroten Kurzborster scheinen sich dabei offensichtlich "sauwohl" zu fühlen: Wie ihre Verwandten, die Wildschweine, durchwühlen die sechzig Mastschweine auf Futtersuche den feuchten Waldboden. Begeistertes Quieken und Grunzen durchdringt den Wald, wenn ein alter Grenzgraben mit Wasser geflutet wird. Dann tollt die ganze Schweineherde ausgelassen durch das kühle Nass und nimmt danach auf dem den Bach begleitenden Wiesenstreifen ein "Sonnenbad". Erst wenn alle wieder trocken sind wird weitergespielt. Als erstes Untersuchungsergebnis wird bereits gehandelt, dass das Sozialverhalten des Borstenviehs sich weit ausgeprägter entwickelt hat als bei den Geschwistern in Stallhaltung: "Die Bachen haben ihren Jungen gezeigt wie Nester gebaut werden. Die Ferkel spielen miteinander und beißen einander nicht wie in der Massenhaltung häufig Ohren oder Schwänze ab", berichtet Kocourek. Auch dass keines der Tiere bisher erkrankt ist, wird der Freilandhaltung zugeschrieben.
Kurier, 2.8.2000