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Wenn Nachbarn feiern statt streiten

Nachbarschaftsstreitereien füllen TV-Magazine und Zeitungen.

 

"Die Konflikte werden immer häufiger", sagen Experten. Wer will, kann aber auch positive Nachbarschaft initiieren und Unstimmigkeiten auf normalem Weg austragen.

"Der Baum, den der Nachbar gepflanzt hat, ist zu hoch und nimmt mir das ganze Licht weg." "Der Hund bellt so laut, das hält ja kein Mensch aus!" - So und ähnlich lernen sich Nachbarn meist so richtig kennen und Verwalter, Anwälte und Richter haben ihre liebe Not, die Probleme zu lösen. Nachbarschaft kann aber auch die Lebensqualität verbessern: von Gesprächen und Kontakten im Alltag über gemeinsame Aktivitäten bis hin zur Unterstützung bei Problemen und in Krisen.

Feste Regeln gibt es nicht

Was kann man tun, um gute Nachbarschaft zu initiieren? "In Neubauten ist das besonders schwierig. Am Beginn sind alle mit dem Einziehen beschäftigt. Es gibt keine Regeln, die müssen erst entwickelt werden", sagt Michaela Ecker, Geschäftsführerin der "Werkstatt Lebensumwelt". Ihr Tipp: "Feste organisieren, da kommen d'Leut' z'samm."

Auch Kulturveranstaltungen sind ein guter Anlass, einander kennen zu lernen. Zum Beispiel im Hof oder in einem Gemeinschaftssaal der Wohnsiedlung. Diskussionsrunden beleben die Nachbarschaft: Da können Meinungen ausgetauscht, gemeinsame Forderungen an Politiker gerichtet oder Konflikte ausgetragen werden.

Streiten will gelernt sein. "Die Menschen werden immer konfliktunfähiger und egoistischer", sagt Andrea Haffner-Peichl, Trainerin für Konfliktmanagement in Linz, und beschreibt drei Phasen von Nachbarschaftsstreitereien:

Phase eins: "Die Nachbarn haben ein Problem - zum Beispiel, dass der Hund nervte-, vertragen sich ansonsten aber gut." In dieser Phase ist das Schlichten noch möglich. Jeder schildert seine Lage und gemeinsam (!) wird eine Lösung gesucht und gefunden. Beide Streitparteien gewinnen.

Systematische Entwertung

In den Phasen zwei und drei ist eine Konfliktlösung nicht mehr möglich. Die streitenden Nachbarn sind enttäuscht und versuchen, sich systematisch zu entwerten: "Schau, der hat ein großes Auto, der hat bestimmt einen Riesenberg Schulden!" Zum Zweck der Abwertung werden oft auch Koalitionen gebildet. Ohne Gesichtsverlust kommt keiner raus aus dem Streit. Er eskaliert und am Ende geht es nicht mehr um die Sache, sondern nur mehr darum, dass der andere draufzahlt.

Damit es nicht soweit kommt, muss man sich bewusst sein: Funktionierende Nachbarschaft hat klare Grenzen. Zum Beispiel beim Tratsch, der nicht zur Drehscheibe für Gerüchte und Abwertungen der Nachbarn werden sollte. Auch wenn gemeinsame Aktivitäten zum Gruppenzwang werden, ist eine Abgrenzung wichtig. Wer nicht will, muss nicht mittun. (ried)

 

OÖN, 24.9.2000

 

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