Rosa gegen Stress, Gelb für die Kreativität Unsere grünen Mitbewohner können einiges: Sie verbessern das Raumklima und steigern Wohlgefühl und seelische Ausgeglichenheit. Die Zuwendung, die wir ihnen schenken, danken sie mit üppiger Pracht. Und: Sie schärfen sogar unseren Sinn für die Umwelt. Sie verstehen uns zwar nicht wörtlich, wenn wir mit ihnen reden, spüren aber dennoch unsere Zuneigung. Dafür revanchieren sich unsere Pflanzen mit üppigem Wachstum, was wiederum den Menschen glücklich macht. Pflanzen steigern unser Wohlbefinden. Grün ist gut für die Augen und Farben wirken anregend oder beruhigend (siehe Kasten). "Psychologisch gesehen haben Pflanzen eine positive Wirkung auf die menschliche Seele. Wer sich mit Pflanzen bewusst auseinander setzt, tut intuitiv das Richtige. Die Hingabe zu ihnen stimuliert bei uns die rechte Gehirnhälfte - die kreative, emotionale. Das sorgt für Wohlgefühl und steigert auch noch unsere geistige Bildung", bringt es Harald Bolhar-Nordenkampf, Universitätsprofessor am Institut für Pflanzenphysiologie der Universität Wien auf den Punkt. Pflanzen wirken also wie Kunst, Kultur oder Musik auf den Menschen. "Zusätzlich schaffen wir uns durch die Beschäftigung mit Pflanzen eine Art Grundlage für die Akzeptanz globaler Fragestellungen", so Professor Bolhar-Nordenkampf. Zimmerpflanzen führen die Umweltproblematik klar vor Augen. "Nämlich das, was wir mit unserer Erde nicht tun sollten", sagt der Universitätsprofessor, der Zimmerpflanzen als Lebewesen und Mitbewohner bezeichnet. "Nur mit einer höheren Toleranz, weil sie mehr und leichter verzeihen als ein Mensch oder ein Haustier." Eben Lebewesen, die zwar nicht mit uns sprechen, uns aber irgendwie verstehen und blühend Antwort geben. Negative Reaktionen auf schlechte Pflege, zu wenig oder zu viel Wasser kommen stets zeitverzögert. Was einen wichtigen Lernprozess darstellt, weil Folgen sichtbar werden.
Während Schnittblumen Seelenbalsam sind, kann Grünzeug in Töpfen noch viel mehr für uns tun. "Staub- und Schmutzpartikel werden durch Pflanzen aus der Luft gefiltert oder an der Oberfläche von Blättern und Zweigen abgelagert. Sie sorgen für ausreichende Luftfeuchtigkeit und erneuern die durch Mensch und Tier verbrauchte Sauerstoffmenge", sagt der Wiener "Pflanzendoktor" und Gärtnermeister Manfred Pfeiffer. Pflanzen besitzen zwar kein Nervensystem, kein Gehirn und keinen Blutkreislauf, haben aber ähnliche Sensoren eingebaut, wie es sie bei Mensch und Tier auch gibt. Dass unsere grünen Genossen Empfindungen haben, steht mittlerweile auch wissenschaftlich fest. In den Pflanzen stecken Eiweiße, die auf Umwelteinflüsse reagieren und das Wachstum lenken können. "In den dünnen lebenden Membranen einer Zelle gibt es Eiweißmoleküle, die druckempfindlich sind. Stößt etwa die Wurzel an den Topfrand, meldet sie dies an die Blätter: Ich habe keinen Platz mehr, Produktion einstellen", erklärt Professor Bolhar-Nordenkampf. Ein Geheimnis der grünen Lebewesen konnte noch nicht gelüftet werden: Ob sie auch eine Seele haben. Von Ingrid Edelbacher
Kasten dazu:
Die Wirkung von Blumenarrangements lässt sich durch farbliche Zusammenstellung verstärken. Rot ist die Farbe der Liebe und wirkt stets belebend und anregend. Etwas Rot auf dem Schreibtisch kann durchaus die Arbeitsfreude heben. Ein Mix aus Rot und Gelb hebt die Stimmung. Für stark Gestresste sind eher Pastellfarben empfehlenswert. Am besten zu Blüten in Rosa greifen - ein Farbton, der entspannt und die Erholung fördert. Rosa kombiniert mit Grün beruhigt. Orange wirkt optimistisch und fördert die Kommunikation. Ein orangefarbenes Arrangement auf dem Esstisch kann sogar den Appetit anregen. Ein Strauß oder eine Topfpflanze in Gelb gehalten, soll die Kreativität steigern und den Geist stärken.
Beide Artikel aus dem Kurier vom 13.2. 2000