Österreich Institut Österreich Institut Österreich Institut
Österreich Institut
Unterrichtsmaterialien bestellen KontaktJobs
---
Österreich Institut
|
.
<
<
<
.
EuropaSiegel
 
 

Verbotene Gefühle

Gefühle, die keinen Heiligenschein verdienen. Schlimm? Keineswegs – sondern eine Chance für Entwicklung

 

Karen Müller

 

Schon wieder drei Stunden im Netz verbracht. Gelesen, bis die Augen brannten. Schicksale verschlungen wie andere Gummibärchen. Jeden Abend dasselbe Bild: Das bläuliche Licht des Laptops beherrscht Angelikas Wohnzimmer. Gespenstische Stille, nur ab und zu ein leiser Mouse-Klick. Die 33-jährige Angelika sitzt eisern zu Hause, seit sich ihr Freund Markus von ihr getrennt hat. Sie mag einfach keine Leute mehr sehen, sagt sie, dazu fühle sie sich zu besch… Angelika gibt nämlich sich selbst die Schuld an der Trennung: "Ich war immer so jähzornig. Und so eifersüchtig. Ich habe ihn vertrieben." Und wenn sie ausgehen würde, hätte sie das Gefühl, es stünde ihr in fetten Lettern auf der Stirn geschrieben: "Diese Frau hat sich so aufgeführt, dass ihr der Freund weggelaufen ist." Daheim vor dem Computer hat sie dieses Gefühl nicht. Denn ihre Lieblings-Homepage im Internet ist seit der turbulenten Trennung vor zwei Monaten www.gestaendnis.com. "Wenn ich darin lese, geht es mir besser", sagt sie, "neben dem, was da manche Leute so an Geständnissen hineinschreiben, komme ich mir mit meinen Tobsuchtsanfällen richtig harmlos vor. Und zu sehen, dass ich nicht der einzige Mensch mit dunklen Seiten bin, das tut mir im Moment richtig gut."

Intim, aber anonym. Beichtseiten boomen – und machen, wie manche User zusätzlich zu ihrem persönlichen Geständnis gestehen – auch oft richtiggehend süchtig. Das ist kein Wunder, so Psychotherapeutin Billie Rauscher-Gföhler, bei dem paradoxen Umgang, den wir mit gewissen Gefühlen haben: "Sie dürfen theoretisch zwar sein, aber sie sollen nicht stattfinden. Wenn die Oberfläche stimmt, ist alles in Ordnung. Das liegt viel an der Schnelligkeit und der Leistungsorientierung unserer Zeit." Wenn du gewisse Emotionen hast – und vielleicht auch noch auslebst –, bist du schwach und unerwünscht.

 

Eifersucht

Woher sie kommt:

 Prinzipiell aus der Angst vor dem Verlust eines geliebten Menschen, was auch ganz normal ist. Krankhafte Eifersucht hingegen wird von Geschehnissen der frühen Kindheit genährt: Zu wenig Zuwendung und Geborgenheit oder die Ankunft eines neuen Geschwisterchens, dem sich die Eltern voll zuwandten, können eine tiefe Unsicherheit bis ins Erwachsenenalter erzeugen.

Was sie macht:

Tiefe Verunsicherung, weil sich der Eifersüchtige mit der Konkurrenz vergleicht. Und je schwächer das Selbstwertgefühl ist (oder dadurch wird), um so eifersüchtiger wird jemand auch. Das wiederum verstärkt das Gefühl von Hilflosigkeit. Der daraus resultierende Zwang, den anderen auf Schritt und Tritt zu kontrollieren, gibt einer ohnehin wackeligen Beziehung oft den Rest.

Wie sie helfen kann:

Ursprünglich zeigt Eifersucht die Außengrenzen der Beziehung auf ("Bis hierhin und nicht weiter, wenn du mir nicht weh tun willst"). Eifersucht kann zu einer produktiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbewusstsein genützt werden. Stellen Sie sich Fragen wie: Was ist mein Wert als Mensch? Wird er von meinem Partner genügend geschätzt? Was kann ich tun, um mich wertvoller zu fühlen? Eifersucht verliert auch viel von seiner zerstörerischen Kraft, wenn Sie Ihrem Partner gegenüber den mutigen Satz aussprechen: "Ich bin so eifersüchtig, weil ich schreckliche Angst habe, dich zu verlieren."

Neid

Woher er kommt:

Immer aus dem Vergleich "Die anderen haben etwas, was ich nicht habe". Egal ob Zuwendung, Wohlstand, Anerkennung oder Liebe – der Neider rechnet genauestens auf, was andere bekommen und er (ungerechtfertigterweise!) nicht. Die Tendenz zum Neidempfinden wird meist schon in der Kindheit angelegt. Die hübschere Schwester bekommt mehr Beachtung, der sportlichere Bruder mehr Lob – und einer steht daneben und fühlt sich als ewiger Loser.

Was er macht:

Je mehr man sich damit beschäftigt, was andere haben, umso ärmer fühlt man sich. Das bedeutet auch, dass man sich selbst immer mehr den Boden unter den Füßen wegzieht, je mehr man auf die Kirschen in Nachbars Garten schielt. Man wird immer unzufriedener mit sich selbst, dadurch aber meist noch passiver, handlungsunfähiger – und isolierter von seiner Umwelt und den Mitmenschen.

Wie er helfen kann:

Der Neidige muss von seinem passiven Verlierergefühl in die Aktivität kommen. Sprich: Erkennen, was und warum er es so gerne haben möchte, und wie er dies für sich erreichen kann. Setzen Sie sich konkrete, zu Ihrem Leben passende Ziele und überlegen Sie, wie Sie diese Schritt für Schritt erreichen können. Wichtig: Oft sind es in Wahrheit nicht materielle Dinge, die man unbedingt haben will. Sie stehen nur als Symbol für ein Gefühl (Liebe, Respekt, Sicherheit), nach dem man dürstet.

 

 

Wienerin, März 2004

 


Nach oben

Übungen

 


Nach oben



Drucken

Newsletter abonnieren

 

Seite weiterempfehlen

Druckversion

Newsletter abonnieren

Bookmark and Share

Seite weiterempfehlen




© Österreich Institut A-1090 Wien, Alser Straße 26/2b
+43-1-3194858 mail:oei@oei.org - created with TYPO3