Ungarn in Europa, ... ein Naturzustand wurde durch den EU-Beitritt wiederhergestellt. Ohne Eisernen Vorhang und geteiltes Europa wäre Ungarn einer der Gründerstaaten der Europäischen Kohl- und Stahlgemeinschaft gewesen. Um die Jahrhundertwende war Budapest gleichrangig mit anderen blühenden Landeshauptstädten, wie Berlin, Paris, Prag und Wien. Der Ausdruck "Europa" ist nicht nur ein Slogan, sondern ein Schatz, der jahrhundertelang herausgebildet wurde. Die Geschichte Ungarns blickt auf 1100 Jahre zurück, als das Land das Christentum aufnahm. Dieses reiche Kulturerbe, die politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Traditionen verbindet Ungarn mit den anderen Teilen Europas. Nicht der Beitritt selbst ist eine außergewöhnliche Entwicklung für Ungarn, es wäre außergewöhnlich, wenn Ungarn nicht zur EU beitreten würde. Nach der Wende wurde Ungarn mit vielen schweren Herausforderungen konfrontiert. Die EU-Mitgliedschaft schien die Lösung für die Schwierigkeiten. Die Wirtschaft, die jahrzehntelang im Rahmen des ehemaligen Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe existierte, wickelte im Jahre 2000 mehr als 70% ihres Außenhandelsverkehrs mit den EU-Staaten ab. Ungarns EU-Mitgliedschaft bietet mehr Chancen sowohl für Ungarn, als auch für die EU. Die Investoren sind an langfristigen strategischen Investitionen interessiert, sowohl was die einzelnen die Mitgliedstaaten als auch den gemeinsamen Binnenmarkt betrifft. Die ungarische Wirtschaft ist relativ klein aber gut entwickelt, sie hat eine immer größer werdende Produktion, sich erweiternde Dienstleistungen. Die Arbeitskräfte sind hochqualifiziert, mit exzellenter Ausbildung. Das politische, institutionelle, rechtliche System ist stabil. Laut Experten könnte Ungarn mit ihren jetzt zur EU beitretenden Nachbarn ein Zentrum für einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung werden. Eine erweiterte Europäische Union bietet neue Möglichkeiten für Ungarn, die Beziehungen mit den 2 Millionen in den Nachbarstaaten lebenden ungarischen Minderheiten zu vertiefen. Für Ungarn wird auch die Tatsache, dass das Land das neue südöstliche Tor der EU wird, als Vorteil dienen. EU Experten sind der Meinung, dass der Staat fähig ist, die mehr als tausend Kilometer lange Außengrenze der EU zu kontrollieren. Nach dem Beitritt der angrenzenden Staaten wird diese Region sicherer. Der Eiserne Vorhang, der Europa in zwei Teile spaltete, ist gefallen. In Zukunft werden Frieden und Prosperität Europa beherrschen.
Mária Fabry, ÖI Budapest
Ungarn hatte einst merkwürdige Erfahrungen mit einer internationalen Identität. Vor einem Jahrhundert , in den glücklichen Friedenszeiten existierte ein komplexer mitteleuropäischer Staat: Österreich-Ungarn, das oft beschimpft wurde. Obwohl es seine Errungenschaften hatte: Es vereinigte nicht nur die geographischen und geschichtlichen Einheiten dieser problematischen Region, sondern erschuf auch das berühmte mitteleuropäische Zugehörigkeitsgefühl bei den Ungarn, Österreichern, Tschechen usw. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieser Staat mit seinen Werten zerstört und die Region erlebte schwierige Zeiten in einer totalitären Umwelt. Der 1.5.2004 bietet uns die historische Gelegenheit zu den glücklichen Friedenszeiten und der mitteleuropäischen Identität dieser Zeiten zurückzukehren.
Krisztina, Szabolcs, ÖI Budapest
Es ist eine Freude, zum Elite-Klub Europa zu gehören. Gleichzeitig müssen wir aber auch die Vor- und Nachteile erkennen. Bis jetzt waren wir daran gewöhnt, von EU-Ländern Unterstützungen zu bekommen. Nach dem ersten Mai 2004 werden wir zur Seite der "Reichen" gehören, die über die Verteilung der Reichtümer entscheidet. Die neuen Kandidatenländer warten genauso auf unsere Unterstützungen. Ungarn muss ab dem 1. Mai 2004 Verteilungsgerechtigkeit üben. Die Erfahrungen, die wir bei den EU-Unterstützungen gesammelt haben, können wir an die Kandidatenländer weitergeben.
Judit, Gabriella, ÖI Budapest
In Ungarn sind die Erwartungen nicht so optimistisch, was auf die skeptische ungarische Mentalität zurückzuführen ist. Die Ungarn sehen immer zuerst die Nachteile der Erweiterung, so denken sie zuerst an Quoten, an zu viele bürokratische Regelungen und zu hohe Preise. Sie möchten nicht auf ihre nationale Identität verzichten. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass der Beitritt viele Vorteile bringt, denken wir zum Beispiel an die neuen Arbeitsmöglichkeiten, die vier Freiheiten, die finanzielle Förderung für Umweltschutz, Landwirtschaft, Verkehr und Infrastruktur.
Lilla, Ildikó, Miklós, ÖI Budapest