Der Klimawandel ist ein Mann
Verbrauch. Studien zeigen, dass Männer durch ihr Verhalten deutlich mehr am Klimawandel beteiligt sind als Frauen.
Barbara Morawec
Wien. Steaks und Autos, beides so groß wie möglich. Das ist – genau: Das ist typisch männlich. „Daher ist der Klimawandel ein Mann.“ So pointiert formuliert das in einer Studie Ines Weller, die Bremer Professorin für Chemie und Geschlechterforschung. Ihre Argumente: Männer essen mehr Fleisch und fahren große, protzige, spritfressende Autos ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Erschwerend kommt hinzu, dass sie ihr Verhalten auch nicht ändern wollen. Ergo tragen sie weltweit mehr zum globalen Klimawandel bei als Frauen. Diese essen mehr Obst und Gemüse und fahren zumeist das kleinere, benzinsparende Auto und damit weniger Kilometer im Jahr. Sie benützen öffentliche Verkehrsmittel.
Alles Klischee? Natürlich, denn es gibt immer auch „die andere Seite“. Gotelind Alber, Umweltexpertin und Physikerin, bestätigt jedoch die Bremer Studie weitgehend. Ganz allgemein könne man sagen, dass Frauen vom Klimawandel jedenfalls stärker betroffen seien. Das gelte in erster Linie für Frauen in ärmeren Ländern, die mit der Versorgung der Familie beschäftigt seien. Und das werde angesichts verschärfter Umweltbedingungen beschwerlicher.
Aber wie hoch ist der Beitrag zum Klimawandel von Mann und Frau in den Industriestaaten? Da wird’s schon schwieriger. „Familienhaushalte kann man für eine Untersuchung nicht hernehmen. Man weiß ja nicht, wer nun welche Ressource in der Familie verbraucht“, erklärt die Forscherin. Deshalb wurden Singlehaushalte untersucht, männliche wie weibliche. Fazit: Männerhaushalte emittieren systematisch mehr CO2 als Frauenhaushalte. Das dickste Plus für eine schlechte Energiebilanz kassieren die Männer mit ihrem Auto. Selbst in Schweden, wo Wert auf Gleichheit der Geschlechter gelegt wird, beträgt das Emissionsplus von Männerhaushalten 30 Prozent. Grund: Schwedische Männer fahren so gut wie immer das „dickere“ Auto. Das gelte mehr oder weniger für alle europäischen Länder, sagt Alber.
Geschlechtsneutral ausgedrückt gilt: Je mehr ein Mensch verdient, desto mehr wird er konsumieren, dadurch mehr Ressourcen verbrauchen und somit mehr klimaschädliche Emissionen verursachen. Männer verdienen im Schnitt mehr als Frauen und tragen daher mehr zum Klimawandel bei. 70 Prozent der Armen auf der Welt seien Frauen, sagt Alber. Ihr ökologischer Fußabdruck sei schon allein deswegen viel kleiner.
Dünn wird die Datensuppe, wenn es um Ernährung geht. Laut Recherchen des Wiener Öko-Instituts werden weltweit mehr als 20 Prozent der CO2-Emissionen bei Herstellung und Transport von Lebensmitteln erzeugt. Der Anteil der Fleischproduktion ist 50 Mal höher als der der Gemüseproduktion. Betrachtet man die Fleischproduktion, liegt die Emission des Rindfleisches höher als die von Schwein oder Huhn. Das hat mit dem Methangasausstoß aus Rinderbäuchen zu tun und mit der Aufzucht. Studien belegen weiters, dass Männer mehr Fleisch essen als Frauen. Die „Rindfleischrechnung“ der Klimaschützer lautet: Die Herstellung eines Kilogramms Steak verursacht 36,4 Kilogramm CO2. Also auch in dem Punkt scheint der Mann der Klimasünder zu sein.
Aber so ganz stimmt das nicht. Denn erwiesen ist auch, dass Frauen mehr Milchprodukte konsumieren. Und da Milch meist von Kühen stammt, tragen auch Frauen ihr Scherflein zum Klimawandel bei. Aber nicht nur mit Joghurt löffeln. Die Frage ist, wie viel Anteil Kosmetika am Klimawandel haben, deren Herstellung ressourcenintensiv ist. Darüber gebe es wenige Daten, sagt Alber. Anzunehmen ist jedenfalls, dass weltweit mehr Frauen Kosmetika verwenden als Männer. Auch Kleidung und Accessoires machen den ökologischen Fußabdruck einer Frau gleich um ein paar Nummern größer, falls sie nicht zu Ökoware greift. Dennoch scheint sich die Klimarechnung zugunsten der Frau auszugehen – nicht zuletzt deswegen, weil es so viele arme Frauen auf der Welt gibt.
Die Forscherinnen erhoben weiters: Frauen denken anders über den Klimawandel als Männer. Sie sind risikobewusster und bereiter, etwas für das Gemeinwohl (Kinder, Umwelt etc.) zu tun. Männer greifen eher zu „grünen“ Produkten, wenn sie damit auch Geld sparen. „Frauen, die meist mehr für die Familie da sind als Männer, sind es gewohnt, für andere mitzudenken“, sagt Alber.
Salzburger Nachrichten, 08.03.2010