Die Kandidatinnen für Schönheitsoperationen werden immer jünger.
Jeden Tag, gleich nach dem Aufstehen, tritt Johanna den Weg auf die Waage an. Die 15-jährige Salzburgerin hat eine gute Figur, sie ist weder dick noch zu rundlich. Trotzdem: Tag für Tag, beim Blick auf die Kilos und auf ihren Bauch, breitet sich bei der Salzburgerin Unzufriedenheit aus. "Alle meine Freundinnen sind dürr, haben Jeansgröße 26", erzählt sie. Diäten, Sport? "Alles schon ausprobiert. Das hier will einfach nicht erklärt", die Schülerin – und zwickt an ihren Speckröllchen herum.
Seit Monaten spielt Johanna mit einem Gedanken: "Ich möchte mich unter das Messer legen. Das einzige Problem ist meine Mutter. Sie will das nicht verstehen. Aber es ist meine einzige Hoffnung", fügt sie verzweifelt und entschlossen zugleich hinzu.
Endstation: Schönheits-OP mit 15? Keine Seltenheit, weiß Schönheitschirurg Josef Thurner. "Ein Viertel aller Patientinnen sind unter 18", erklärt der Experte. Seine jüngste war sogar erst 14 Jahre alt. Am häufigsten würden Ohrkorrekturen vorgenommen, gefolgt von Brustvergrößerungen, Nasenkorrekturen und Fettabsaugungen.
"Gerade bei so jungen Patientinnen ist es wichtig, dass man ein sehr ausführliches Informationsgespräch mit ihnen führt. Sie kommen meist mit Illusionen, die sie aus den Medien kennen, die man nicht erfüllen kann", weiß Thurner. Ein Teil würde es sich schon im Rahmen dieses Gesprächs anders überlegen. "Gegen die Mädels, die auch psychisch schon reif genug sind, ist nichts einzuwenden."
"Ich würde mir sogar Geld dafür ausleihen." Eine Wespentaille à la Heidi Klum, ein Knackpopo wie Jennifer Lopez – das kostet. Mit 6200 Euro muss man für eine Brustvergrößerung rechnen. Viel Geld, das aber für Johanna nicht das große Problem ist. "Ich spare seit Jahren für diesen Wunsch. Da kommt schon einiges zusammen. Und wenn es sein muss, dann würde ich mir von irgendwem Geld ausleihen", sagt sie.
Der Schönheitschirurg weiß, dass es längst den Trend gibt, Operationen als Gutschein zu verschenken. "Es kommt schon öfters vor, dass zu Weihnachten oder für die bestandene Matura zum Beispiel der Herzenswunsch erfüllt wird, die Nase einer Korrektur zu unterziehen", erzählt Josef Thurner.
Salzburger Nachrichten, 17.8.2004