Richtig wichtig!
Roman Roznovsky
Schon 1945 stellte Goerge Orwell fest: "Alle Tiere sind gleich. Aber einige Tiere sind gleicher als andere." Ein beliebiger Freitag Abend an der Kassa eines beliebigen Supermarktes. Geduldig warten die Kunden, bis sie ihre Klopapierrollen und die Zutaten fürs Abendessen auf das Förderband packen dürfen. Ohne über den Preis zu verhandeln, greift man ins Börserl und zahlt. Niemand drängt sich vor oder beansprucht etwa eine Kassa für sich alleine.
Ein paar Stunden später vor einem bekannten Wiener Club. Hier gelten solche noblen Regeln nicht. Während die einen sich in der Warteschlange gegenseitig anrempeln und hoffen, dass ihr Outfit in den Augen der Türsteher Gefallen findet, schlendern andere lässig an der Menge vorbei zur VIP-Kassa. Dort werden sie mittels Handschlag begrüßt und keiner läuft Gefahr, dass "Ich muss leider draußen bleiben" für ihn das Motto des Abends wird. "Echte VIPs müssen sich nicht dadurch in den Vordergrund drängen, indem sie sich selbst als `VIP´ bezeichnen.
Man erkennt sie einfach", ist Mag. Dieter Kienberger von Kärntens bekanntester Disco, der Fabrik (http://fabrik.at), überzeugt. "Es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die können überall auftauchen und kommen überall gratis rein." Doch auch wer kein ZiB-3-Moderator oder Dauerträger von roten Kapperln ist, hat gute Chancen, sich den Eintritt zu sparen. Kienberger unterteilt die "Very Important People" in drei Klassen: Echte Promis, Sponsoren und Journalisten. "Der Veranstalter muss etwas davon haben. So kann man z.B. Promis medial verwerten, denn je mehr VIPs bei einem Event auftauchen, umso interessanter ist die Veranstaltung", outet sich Kienberger als kühler Rechner.
Antje Braun von der Diskothek Volksgarten (http://volksgarten.at) bittet viele ihrer VIPs gleich zur Kasse. "Bei uns gibt es spezielle VIP-Packages zu kaufen. Da muss man eine Flasche Wodka konsumieren, die etwas mehr kostet, dafür hast du aber einen eigenen Kellner und einen Tisch." Die VIP-Liste des Volksgarten umfasst ca. 500 Personen. "Da steht aber sogar der Bundespräsident drauf für den Notfall, dass er an der Tür nicht erkannt wird", scherzt Antje, "doch wir haben natürlich unsere Stammgäste, die sich erlauben, einfach an der Kassa vorbeizugehen und von der Security mit Handschlag begrüßt werden". Auf die Zufriedenheit dieser Gäste ist man im Volksgarten besonders bedacht, denn nur die "Clubber" sorgen für Stimmung, machen Umsatz und garantieren, dass der Club "funktioniert".
Kurier, 25.7.2004