Paul Vécsei
Fanny Dorau (35) ist die „dienstälteste“ Linienpilotin der AUA und eine von nur vier Frauen im Rang eines Flugkapitäns. Obwohl Pionierin in männlicher Domäne, blieb Fanny Dorau bescheiden und „mag es gar nicht, wegen meines Berufs in den Himmel gehoben zu werden“. Dabei ist sie meist in über 10.000 Meter Höhe unterwegs. Rund 40.000 Passagiere im Jahr bringt die Pilotin der „friendly Airline“ AUA gemeinsam mit ihren Crews sicher an jedes Ziel. Dorau liebt ihren Beruf über alles: „Es ist unglaublich schön, über den Wolken zu düsen und die Welt zu überblicken.“
Sonnenuntergänge und „superklare Sternenhimmel“ faszinieren sie immer neu. „An den Alpen werde ich mich nie satt sehen“, sagt sie. Aber es geht nicht nur um die Schönheit beim Fliegen: „Es ist einfach toll, ein so ausgeklügeltes Hightech-Gerät zu steuern.“ Der Weg in die Cockpit-Spitze dauert lang, ist hart und erfordert gute Nerven. Bei der AUA gibt es inzwischen einen echten Wunsch nach mehr Pilotinnen (Info: www.pilotrecruitment.at). Einmal dort angelangt, „ist die Arbeit beim Flug durch immer mehr Sicherheit ziemlich entspannt“, so Dorau. Doch bietet jeder Flug auch neue Überraschungen: „Einmal kann man wegen Schneetreiben nicht landen, dann macht ein Passagier Probleme. Gerade in solchen Situationen zählt die Zusammenarbeit in der Crew. Es macht mir einfach Spaß, mit Menschen zu arbeiten.“
Pilotin ist für Dorau „der absolute Traumberuf“. Einziger Wermutstropfen: das Morgengrauen bei manchen Check-in-Zeiten. Die Karriere am Himmel begann dank ihrer Mutter Brigitte. Die Professorin an einer Höheren Technischen Lehranstalt war selbst weibliche Vorreiterin in männlichem Metier und Hobbypilotin. Sie unterstützte und motivierte Fanny, nach den Sternen zu greifen – und steuerte das nötige Kleingeld bei. Fannys erster Start erfolgte nach der Matura im Zuge eines Au-pair-Aufenthalts in New York. „Nebenbei“ machte sie dort den Pilotenschein und ließ sich zum Fluglehrer ausbilden. Nach der Rückkehr und nach Zwischenlandungen bei privaten Flugunternehmen landete sie 1996 bei Lauda Air.
Seit 2000 ist sie Flugkapitän. Heute werde sie „von allen Kollegen respektiert, kollegial und fair behandelt“. Bei Flügen unter ihrem Kommando herrscht „sicher eine andere Stimmung und ein anderer Ton“, meint Dorau. „Da gibt's mehr Teamgeist. Männer sind doch vom Naturell her eher Einzelkämpfer.“ Passagiere sind oft verdutzt, blicken dann aber bewundernd auf. „Ich krieg oft viel mehr Lob von den Leuten, als ich verdiene. Das ist vielleicht meinen männlichen Kollegen gegenüber ungerecht.“
Der Standard, 21./22.1.2006