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Fußballbräute sehen rot!

Frauen erobern die Zuschauertribünen der Fußballstadien.

 

Fußball-WM: Vom Wohnzimer ins Abseits

 

Diana Krulei

 

Zu meinem ersten Spiel nahm ich mir eine gute Lektüre mit, um die 90 Minuten zu überbrücken. „Möchtest du nicht einmal mitkommen?“, hatte mein Liebster gefragt. Als keine Ausreden mehr halfen, saß ich bei einem Match von Rapid gegen Austria. Ein Härtetest. Lesen konnte ich vergessen. Meine Frage: „Welches Trikot hat deine Mannschaft?“, ließ sein grün-weißes Herz nicht gerade höher schlagen. Dann passierte etwas. Auf einmal lagen sich alle in den Armen und jubelten, konnten gar nicht aufhören – der Anwalt, der Bauarbeiter und der Arbeitslose. Ein Tor macht also so glücklich. Auch wenn die Freude nicht lange hielt, gab es doch gleich ein gegnerisches, war ich irgendwie angetan. Auf dem Fußballplatz spricht jeder die gleiche Sprache. Egal, welche Gesellschaftsschicht, am Eingang legt der Fan vorhandene Standesdünkel ab. Gemeinsam für die Mannschaft. Der zwölfte Mann – das ist die Fangemeinde.

 

Männer üben Choreographien ein, ziehen Trikots an, hängen sich Schals um und sind in einer anderen Welt. Diese besteht aus einem grünen Rasen, zwei Toren und 22 Spielern. Fragen, die nicht zum Spiel passen, sind unerwünscht. Sätze wie „Schatz, holst du mir einen Tee“ oder „Warum haben die jetzt ein Tor gemacht“, sollte frau tunlichst unterlassen. Beim Verlassen des Stadions ist ein „Warum hat dein Verein nicht gewonnen“ unangebracht. Ganz schlecht.

 

Frauen und Fußball, das geht nicht. Eine unmögliche Kombination, vor allem für die männlichen Fans. Das Spiel mit dem runden Leder ist reine Männersache. Tja, das war einmal. In Stadien sind immer mehr Frauen anzutreffen. Es soll sogar welche geben, die zu Spielen hingehen, weil es ihnen Spaß macht. Und die auch was von Fußball verstehen. Auch wenn jetzt viele Männer wahrscheinlich aufschreien, Frauen kommen nicht nur mit, um für ausreichend Bier zu sorgen. Die meisten wissen auch, wie lange ein Match dauert und was ein Freistoß ist. Sogar die Abseitsregel ist manchen nicht fremd. Obwohl da mitunter eingefleischte männliche Fans noch ihre Probleme haben. Fußball kann also mehr sein als nur 22 nass geschwitzte Männer, die einem Ball hinterherlaufen. Ab und zu ein Spiel zu besuchen, ist für Frauen ganz witzig. Auch wenn nicht gerade David Beckham am Rasen in einen Zweikampf verwickelt ist. Und während viele also Real Madrid anfeuern – ja meine Damen, falls sie es beim Anblick von Davids Wadeln vergessen haben sollten, er gehört zu dieser Mannschaft – werden die österreichischen Klubs links liegen gelassen. Aber auch wir haben eine Bundesliga.

 

Heuer steht ab dem 9. Juni etwas Besonderes auf dem Programm – die Fußball-Weltmeisterschaft. Welcher Mann hat diese 31 Tage nicht in seinem Kalender angestrichen und sehnt sie herbei, die Stammtische und „Analysegetränke“. Früher waren die Rollen bei solchen Festspielen klar verteilt: Er saß vor dem Fernseher, und sie nörgelte. Aber nun befindet sich die holde Weiblichkeit nicht immer nur abseits des Sofas.

 

Kronen Zeitung, 19.3.2006

 


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