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Schule und Job sind vereinbar

Nebenjobs bringen finanzielle Unabhängigkeit

Junge Menschen arbeiten nicht nur fürs Taschengeld

 

Petra Griessner

 

 

Sabrina F., 18, ist Schülerin beim bfi Wien. Jeden Samstag jobbt sie bei der Bekleidungskette H&M, meist steht sie an der Kassa. „Ich möchte meine Eltern entlasten“, erzählt sie, „und außerdem kann ich mir so mein Auto finanzieren.“ Auch Ritz T. und Manuel H. arbeiten neben ihrer Ausbildung jeden Samstag: Manuel als Kassakraft beim Möbelhaus KIKA und Ritz als Lohndiener im Wiener Hotel Austria. Ritz möchte damit vor allem Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Die beiden, ebenso wie ihre Mitschülerin, streben nicht nur die finanzielle Unabhängigkeit von ihren Eltern an, da sie alle Geschwister haben, wollen sie auch ihren Eltern nicht mehr als unbedingt nötig auf der Tasche liegen. Rund 300 Euro verdienen die SchülerInnen pro Monat. Als Belastung empfinden sie ihre Jobs kaum, nur in den Prüfungszeiten kann es dann schon mal schwierig sein, Job und Schule unter einen Hut zu bekommen.

 

 

Im Rahmen des grenzüberschreitenden „Crossover“-Projektes wurden im vergangenen Jahr Jugendliche der beiden Partnerschulen „HAK/HAS des bfi Wien“ und der „Obchodná Akadémia Bratislava“ zum Thema Job und Schule befragt. Die Ergebnisse waren überraschend: So arbeiten mehr als 60 Prozent der HAK/HAS-SchülerInnen des bfi regelmäßig, in Bratislava sind es knapp 50 Prozent. Mit der Berufstätigkeit werden die Prioritäten anders gewichtet, der Nutzen, den die Ausbildung bringt, wird deutlich und das „Durchfallen“ entdramatisiert. Positiver Nebeneffekt: Das Lernen wird entspannter und die Motivation steigt.

 

 

Laut Studie ist der Hauptgrund für das Arbeiten neben dem Unterricht meist der Wunsch nach einem eigenen Konto und einer gewissen Unabhängigkeit vom Elternhaus. Häufig geht es aber nicht nur darum, sich ein paar schöne Sachen kaufen zu können. Es ist nicht nur der Konsumdruck, der auf den Jugendlichen lastet, einige müssen ihre Familien unterstützen oder das Schulgeld selbst bezahlen.

 

 

In den allermeisten Fällen hat der Nebenjob kaum einen Zusammenhang mit den Lerninhalten, aber Erfahrung und Einblick in die Arbeitswelt bietet der Job. „Das ist ein positiver Aspekt, aber es muss dringend untersucht werden, inwieweit die Nebenjobs zur Existenzsicherung nötig sind. Sollten die Ergebnisse alarmierend sein, so muss darauf entsprechend reagiert werden“, erläutert Susanne Schöberl, Bildungsexpertin der Arbeiterkammer Wien.

 

Informationen zur Zusammenarbeit von Schulen des bfi mit Schulen in der Slowakei, Ungarn, Serbien und der Tschechischen Republik: www.crossover.or.at

 

 

Solidarität 7+8/2006

 

 

 


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