Bis 2020 soll ein Fünftel der jährlich in Europa genutzten Energie einspart werden. Die Energieverschwender haben aber noch ein paar Jahre Schonzeit. „Energie, die man spart, ist mehr wert als jedes Ölfeld“, sagt eine alte Weisheit. Und weil es in der EU ohnehin nicht viel Öl gibt, kam EU-Energiekommissar Andris Piebalgs auf einen Plan. Er will der Union ein Sparpaket aufbrummen. Sein Entwurf für eine Energieeffizienz-Richtlinie ist ambitioniert, wenngleich erfüllbar: Bis 2020 soll um mindestens 20 Prozent weniger Energie verbraucht werden als heute, auch bei steigendem Wirtschaftswachstum. „In Europa wird heute ein Fünftel der gesamten Energie verschwendet. Wenn jetzt gegengesteuert würde, bringt das bis 2020 eine jährliche Ersparnis von 100 Milliarden Euro“, erklärte Piebalgs vor seiner Abreise zum Gipfel in Finnland.
Nicht nur die Geldbörsen der Europäer dürfen hoffen, dass das Ziel erreicht wird, auch der Umwelt kommt der Sparplan zugute. Derzeit wird europaweit so viel Energie verbraucht, wie es 1.750 Millionen Tonnen Öl-Äquivalenten entspricht. Freilich wird dabei nicht immer nur das schwarze Gold verbrannt – aber immerhin erhofft man sich, dass dadurch 780 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden könnten.
Die EU will vor allem den Stromverschwendern den Kampf ansagen. Dazu gehören insbesondere Geräte im Haushalt, die im ausgeschalteten Zustand Energie schlucken (Standby). Fernseher gehören da ebenso dazu wie Computerdrucker.
Als ebenso wichtig wird es in Brüssel erachtet, die Konsumenten zu sensibilisieren. Bei Kühlschränken und Waschmaschinen ist es heute in den meisten Ländern schon üblich, dass Kunden schon beim Kauf auf Energieeffizienz-Klassen (A, Aplus etc.) aufmerksam gemacht werden. Sie geben an, wie viel Strom das jeweilige Gerät im Betrieb schluckt. Diese Kennzeichnung soll nun auch auf die Unterhaltungselektronik, Computer, Klimaanlagen und andere Haushaltsgeräte ausgedehnt werden.
Die Mühlen der Bürokraten in Brüssel mahlen allerdings langsam. Diese Produktkennzeichnung will man bis Ende 2008 durchgesetzt haben. Erst 2009 sollen Effizienz-Regeln für neue und renovierte Häuser eingeführt werden. Ab 2012 sollen Autos sparsamer werden und die Umwelt mit weniger Abgasen verpesten. Und überhaupt erst 2015 sollen Niedrigenergie- und Passivhäuser eine weitere Verbreitung finden.
Derzeit sieht der EU-Vorschlag weder verbindliche Ziele noch Strafen vor. Anfangs ist nur eine freiwillige Verpflichtung der Industrie geplant, entsprechende Gespräche werden Anfang nächsten Jahres beginnen. Die Reaktionen der Wirtschaft sind durchaus positiv: „Diese Maßnahmen sind notwendig und sinnvoll“, erklärte etwa Reinhold Mitterlehner von der Wirtschaftskammer.
Stromfresser im Haushalt
Auch ausgeschaltet entpuppt sich so manches Elektrogerät als wahrerer Vernichter von Energie:
- Ein Drucker braucht in Betriebsbereitschaft Strom für 11,40 Euro pro Jahr. Der Witz: Viele neue Modelle haben nicht einmal einen Knopf zum Ausschalten.
- Ein ADSL-Modem, das permanent eingeschaltet ist, frisst Strom für jährlich 9,50 Euro.
- Ein Fernseher kostet 5,60 Euro pro Jahr, wenn er nur mit der Fernbedienung ausgeschaltet wird.
Der Einzelne mag das alles ja verkraften, aber die Summe aller Haushalte macht die Menge aus.
Kleine Zeitung, 20.10.2006
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