Zum Selbstbild der Österreicher gibt es nun einen internationalen Vergleich.
Michael Prüller
Aufgeschlossenheit ist ihm wichtig – mehr als jedem anderen in Europa. Auf einen weiten Horizont legt er Wert. Und auf dauerhafte persönliche Beziehungen. Relativ unwichtig sind für ihn hingegen materieller Besitz, der soziale Aufstieg, Tradition, Jugendlichkeit und attraktives Aussehen. Die Rede ist vom typischen Österreicher bzw. der typischen Österreicherin – wie sie sich selbst sehen. Das Meinungsforschungsinstitut Fessel-Gfk hat heuer seine traditionelle österreichische Lifestyle-Studie international vergleichbar gemacht. Dabei konnten sich die Forscher rund um Rudolf Bretschneider und Angelika Kofler auf Daten stützen, die Roper Consulting, ein Neuzugänger im internationalen Gfk-Netzwerk, seit vielen Jahren erhebt.
Es gibt zwar leichte methodische Unterschiede bei den Fessel- und Roper-Befragungen, aber insgesamt, so Kofler, seien die Studienergebnisse doch vergleichbar. Und sie geben in jedem Fall, so ergänzt die Demoskopin im Gespräch mit der Presse, immer nur die behaupteten Einstellungen wieder – die mit den tatsächlichen nicht notwendigerweise übereinstimmen.
So erfährt man, dass die Österreicher insofern im Mainstream fast aller befragten Länder liegen, als auch sie Sicherheit „für diejenigen, die man lieb hat“, als besonders wichtigen Wert ansehen. Aber auch „dauerhafte persönliche Beziehungen“, hier liegen auf der vierteiligen Skala schon die Deutschen, Tschechen, Italiener und Briten eine Stufe hinter uns, und die Spanier sogar drei. Den weiten Horizont schätzt in Europa niemand so hoch ein wie wir – überraschenderweise liegen aber Türken und Inder mit uns gleichauf.
Spannend sind auch die Antworten auf die Frage, wie viel Zeit man womit verbringt. Am meisten Wochenstunden mit bezahlter Arbeit geben Thailand, Südkorea und Taiwan an, gefolgt von China und Indien. Am wenigsten bezahlte Arbeit verrichten die alten Industrieländer, wo wir Österreicher mit den Amerikanern gleich liegen. In der Schule und der Universität sind wir – laut Selbstaussage – öfter als die Amerikaner, aber seltener als die Deutschen. Und die Österreicher sind eher zurückhaltend, wenn es ums Lesen, Kochen und Fernsehen geht. Bei Letzterem führen übrigens die Briten, noch vor den Amerikanern.
Weltspitze (gemeinsam mit Australien) sind wir bei der Gartenarbeit. Dafür empfangen wir nicht so gerne Gäste zu Hause, gehen – wie fast alle Europäer – wenig in die Kirche. Und wir mögen – so wie die Deutschen oder die Spanier – Shoppen und Schaufensterbummel überhaupt nicht.
Die Presse, 19.12.2006