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Waldviertler heißt ein Zahlungsmittel, das zusätzlich zum Euro in Österreich kursiert.

 

Eva Reithofer-Haidacher

 

Das Retourgeld bitte in Waldviertler. – Die Frau, die diesen Satz in einer Konditorei im Oberen Waldviertel ausspricht, ist gerade dabei, sich an einem spannenden Währungsprojekt zu beteiligen. Einzige Voraussetzung: Sie ist Mitglied im Verein Waldviertler-Regional, dem sie knapp zuvor über Internet beigetreten ist. Ab sofort kann sie in 183 Betrieben im Nordwesten Niederösterreichs mit der Regionalwährung Waldviertler einkaufen. Dort bezahlt sie mit Scheinen im Wert von einem, zwei, fünf, zehn oder zwanzig Waldviertlern, die gleich viel in Euro wert sind. Gehen ihr die Gutscheine aus, kann sie in einer der Ausgabestellen neue besorgen.

Heini Staudinger, Leiter der Waldviertler Schuhwerkstatt, ist einer der Initiatoren des Projektes. Wie viele von den fälschungssicheren Gutscheinen, die es seit Mai 2005 gibt, im Umlauf sind, interessiert ihn gar nicht besonders: „Es geht nicht vorwiegend um die Geldzettel, sondern um die Frage: Wie wirtschaften wir? Suchen wir den eigenen Vorteil oder das Zusammenleben?“

Mit Leidenschaft und Solidarität. Tatsächlich ist das Mitmachen beim Projekt Regionalwährung eine Herausforderung für all jene, die mit der Tugend der Sparsamkeit groß geworden sind und gelernt haben, sich über die ersparten Zinsen zu freuen. Denn das Regionalgeld funktioniert diametral anders. Hat man bei einem der gemeinnützigen Vereine, die als Ausgabestellen fungieren, einen Waldviertler gekauft, muss er innerhalb eines Quartals ausgegeben werden, sonst verliert er zwei Prozent an Wert. Die Kunden müssen die Waldviertler-Scheine, die am Ende des Vierteljahres im Geldbörsel geblieben sind, mit Marken aufwerten, einen 10-Waldviertler-Schein also um 20 Cent.

Ziel ist das Ankurbeln der regionalen Wirtschaft. Ein Rücktausch ist nur für die teilnehmenden Betriebe möglich, die dabei fünf Prozent draufschlagen – neben den zwei Prozent Umlaufsicherung, die für die Organisation verwendet werden, noch drei Prozent, die als Unterstützung bei den Ausgabestellen bleiben.

„Das Tolle dabei ist die Leidenschaft und die Idee der Solidarität“, schwärmt Heini Staudinger und liefert gleich ein globales Beispiel: In der Region Schrems haben die Lebensmittelkonzerne Spar und Billa jeden Tag Umsätze von rund 40.000 Euro, die an die Konzernzentrale gehen. Von dort fließt wegen der niedrigeren Preise mehr in die spanische Landwirtschaft als in die Region. Mit den Waldviertler Gutscheinen hingegen wird beim Biobauern im Land eingekauft, der zahlt den Tischler damit, der wiederum den Schneider oder den Greißler und so bleibt die regionale Wirtschaft in Schwung. „Dass es teurer ist, brauchen wir nicht zu bedauern, denn Billiges wird erzeugt unter Umständen, die wir nicht leben wollen“, ist Staudinger überzeugt.

Emotionale Diskussionen. Der Heidenreichsteiner Betriebsseelsorger Karl Immervoll bezweifelt, dass das Einkaufen bei kleinen Unternehmen immer die teurere Variante ist: „Manche Produkte sind bei den lokalen Händlern billiger, vor allem wenn man die Serviceleistung mitrechnet.“ Das viel größere Hindernis sei die Bequemlichkeit der Menschen, die lieber alles im Supermarkt kaufen als extra zum Bäcker, Fleischer und Gemüsehändler zu gehen. Dennoch ist er mit der Bilanz zufrieden: Nach einem Jahr waren bereits 190 Betriebe dabei und 30.000 Waldviertler im Umlauf. In der 5.000-Bewohner-Gemeinde Heidenreichstein sind ein Viertel der Betriebe zu Hause und zwei Drittel der Gutscheine im Umlauf.

 

Welt der Frau 1/2007, www.welt-der-frau.at

 

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