Hanna Stögmüller
Manchmal ist Zuhausebleiben einfach am schönsten. Wenn es nur funktionieren würde! Es gibt Abende, ja auch am Wochenende, die verlangen einfach nur nach einer Selbstinstallation in bequemer Pose, die idealerweise mit einem Minimalaufwand an Bewegung verbunden ist. Diskoboykott. Partymuffel. Der bloße Gedanke an Kunstnebel und eine Lautstärke von 100 Dezibel verursacht einen kalten Schauder, der vom Haaransatz bis zu den Zehenspitzen kriecht.
Gründe für diese ab und an wiederkehrende Jogginganzugstimmung kann es viele geben. Der Körper will nicht, der Kontostand schon gar nicht und überhaupt sind Kleidungsstücke mit Gummibund und vorzugsweise aus 100% Baumwolle oder Nicki-Samt an Tagen, die mit einem „S“ beginnen, angenehm zu tragen. Wunderbar! Wenn da nicht dieses leicht Wurlige in der Beingegend wäre. Dieses permanente Klopfen auf die Sofalehne. Und erst die wüsten Beschimpfungen der Freunde, die fast das Telefon zerbersten lassen: „Partybremse!“, „Lahmarsch!“
Ist es die Party des Jahrhunderts, die du verpasst? Könnte heute die Nacht der Nächte sein, geschichtengeschwängert und schier unerschöpflich an Stoff für unterhaltsame Anekdoten, die unsterblich in die Party-Annalen eingehen? Der kleine Feierteufel hat sich kurzerhand wieder auf die rechte Schulter gesetzt und klopft leise einen eindringlichen 4/4-Takt, der aber auch wirklich eine erstaunliche Ähnlichkeit mit diesem Wahnsinnstrack deiner aktuellen Lieblingsplatte hat. Manno! Raus aus den Wollsocken, rein in die Diskotreter. Zuhausbleiben ist nicht! Hallo? Ein Taxi zum Club bitte!
City 8/2007