Die österreichischen Bundesländer im ständigen Wettstreit
Magdalena Rauscher-Weber und Bernhard Gaul
Mit den echten Sport-Spielen ist es zwar nichts geworden, aber die „Olympischen Spiele der Kunst“ sind ja auch nicht schlecht. Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller verwendete diese Bezeichnung bei der Eröffnung der diesjährigen Festspiele jedenfalls mit sichtlichem Stolz. Die Kollegen aus den anderen Bundesländern stehen ihr um nichts nach. Kärnten ist für Landeschef Jörg Haider so gut wie überall top – als Wirtschaftsstandort genauso wie als Sportveranstalter oder Künstler-Region. Und Herwig Van Staa bezeichnet sein Tirol als eine der führenden Regionen in ganz Europa.
Beim Lobbying für die Bundesländer dürften die Landespolitiker allesamt recht erfolgreich sein. „Die reale politische Bedeutung der Bundesländer war nie so groß, wie sie gerne dargestellt wird“, sagt der Politologe Fritz Plasser. Seit dem EU-Beitritt sei der Verwaltungsaufwand noch weniger argumentierbar.
Dennoch sind für ihn die Bundesländer nicht nur abstrakte Verwaltungseinheiten. Sie seien „das zentrale Identifikationsfeld“ für die Bevölkerung. „Die Sprache, also die Dialekte, spielen hier eine genauso wichtige Rolle, wie scheinbare Trivialitäten, etwa Speisen.“
Plasser ist Wiener mit Arbeitsplatz in Innsbruck, wo er an der Universität die Fakultät für Politikwissenschaften leitet. Der Blick ins Land hat bei ihm viel Verständnis für den Regionalstolz gebracht.
Der Schriftsteller Franzobel ist von Oberösterreich nach Wien gezogen. Den Regionalstolz beurteilt er sarkastisch: „Auf seinen Geburtsort ist jeder stolz, und sei er noch so hässlich. Damit soll wohl die eigene Geburt aufgewertet werden.“
Irgendwie hätten aber alle Landes-Leute ihre Besonderheiten: Die Tiroler würden sich als „Urbegriff des Alpinen“ sehen, die Oberösterreicher seien „bauernschlau“. Dass die Salzburger auf Mozart so stolz sind, findet Franzobel „seltsam“. Mozart habe Salzburg als unerträglich empfunden.
Die Wiener könnten „nicht einmal auf das Trinkwasser stolz sein, das kommt aus der Steiermark“. Nur der Wiener Grant ist für ihn ein Grund zur Selbstherrlichkeit: „Den kann man richtig vermissen. Ich war vier Wochen in Japan. Als ich in die österreichische Botschaft kam, war der Grant eines Mitarbeiteres richtig wohltuend - nach all der Freundlichkeit.“
Lebensraum: In Vorarlberg lebt sich´s gut
Die Vorarlberger haben es gut: Frauen aus dem westlichsten Bundesland haben die höchste Lebenserwartung, bei den Männern werden nur die Tiroler ein bisschen älter. Auch die meisten Haushalte mit Internet-Zugang finden sich in Vorarlberg – und beim Altpapiersammeln ist das Land top. Nur Ärzte gibt es weniger als in allen anderen Ländern.
Skurriles: Erwin Pröll redet am meisten
Der niederösterreichische Landeschef kann sich über die längste Redezeit in den „Bundesland heute“-Sendungen freuen. Auch die Wilderer sind in NÖ recht aktiv. Dafür sind in Oberösterreich die schönsten Frauen anzutreffen. Und die Kärntner halten offenbar wenig vom Heiraten, dort gibt es die meisten unehelichen Geburten.
Kurier, 05.08.2007