Mit einer in Österreich bisher einzigartigen Aktion will die Wiener Gebietskrankenkasse bewegungsfaulen Couchpotatoes und „Schreibtischleichen“ zu Leibe rücken. In zwei „Risikobezirken“ übernimmt die Kasse für ein Jahr die Kosten für Sportkurse.
„Ein bissl mehr Bewegung könnte nicht schaden.“ Diesen Satz bekommen Patienten beim Arztbesuch wohl öfter zu hören, als ihnen lieb ist. Bei 30 Wiener Ärzten ist künftig mit diesem Hinweis das Gespräch noch nicht zu Ende: Jene Ärzte, die an dem Pilotversuch in den Bezirken Favoriten und Rudolfsheim-Fünfhaus teilnehmen, werden ihren Patienten gleich einen konkreten Vorschlag machen, wie sie sich körperlich betätigen können – auf Krankenschein.
1.000 verschiedene Sportkurse in ganz Wien werden bei dem in Österreich bisher einzigartigen Projekt „Bewegt gesund“ angeboten, um Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes und erhöhtem Blutdruck vorzubeugen. Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) zahlt allen Versicherten ab 18 Jahren, die zu einer Vorsorgeuntersuchung in Favoriten oder Rudolfsheim-Fünfhaus gehen und Risikofaktoren aufweisen, einen Bewegungskurs.
„Es werden Kurse empfohlen, die auch für Leute geeignet sind, die jahrelang Couchpotatoes und Schreibtischleichen waren“, erläutert WGKK-Sprecherin Gabriele Pflug gleich vorweg. Wassergymnastik, Pilates, Yoga und asiatische Kampfsportarten sind wenig schweißtreibend und gelenkschonend – und somit auch für bewegungsentwöhnte Menschen vertretbar.
Bis zu zwei Semester lang kann die Bewegung auf Krankenschein in Anspruch genommen werden, nach einem Jahr wird das Pilotprojekt, das noch in diesem Monat starten wird, evaluiert. Die Teilnehmer werden zu einer Kontrolluntersuchung eingeladen, wobei die Krankenkasse auf Verbesserungen nicht nur bei den Laborwerten, sondern auch in der Einstellung und bei den Lebensgewohnheiten hofft.
Der Standard, 20.09.2007 (Karin Krichmayr)