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Das ganze Leben als Puppenspiel

©WWW.KUDDELMUDDEL.CO.AT

Elfi Scharf bringt Kinder wie auch Erwachsene zum Lachen, Weinen und Nachdenken.

 

KATHARINA ZIMMERMANN: Eine Frage vorweg: Wie genau würden Sie Ihren Beruf bezeichnen?

ELFRIEDE SCHARF: Ich würde mich als Puppenspielerin bezeichnen. Ich bin mit meinem mobilen Puppentheater unterwegs und besuche Schulen, Kindergärten und Veranstaltungen. Wenn man mich für eines meiner mittlerweile schon acht Stücke bucht, komm’ ich dann mit Sack und Pack daher und lege los.

ZIMMERMANN: Was haben Sie ursprünglich gelernt? Wieso haben Sie sich für das Puppenspielen entschieden?

SCHARF: Ich habe Friseurin gelernt, aber Friseurin war nie mein Traumberuf. Als meine Kinder auf die Welt gekommen sind, war mir dann klar, dass ich etwas Anderes machen wollte, und ich habe im Eltern-Kind-Zentrum angefangen. Dort hab’ ich schon viel Kasperltheater gespielt und gemerkt, wie sehr es mir gefällt.

ZIMMERMANN: Macht Ihnen Ihre Arbeit Spaß?

SCHARF: Ich liebe, was ich tue. Es ist mein Lebensinhalt. Das Wort Spaß ist viel zu wenig um zu beschreiben, wie sehr mir das, was ich tue, gefällt. Es ist viel Aufwand, dafür bekommt man im Nachhinein so viel zurück.

ZIMMERMANN: Wie erfahren die Leute von Ihrem Kuddel Muddel-Theater?

SCHARF: Es spricht sich einfach durch Mundpropaganda herum. Das ist das Beste in meiner Branche. Ich bin am Anfang sehr naiv in das ganze Projekt hineingesprungen, glücklicherweise ist es einfach gewachsen. Manchmal bin ich selbst davon überwältigt.

ZIMMERMANN: Inwiefern ist Ihr Leben anders, seit Sie Puppenspielerin sind?

SCHARF: Es ist ganz anders. Sehr vieles hat sich verändert. Weil ich’s nicht als Beruf sehe, sondern als Lebensphilosophie. Es ist so erfüllend, wenn man in dem, was man tut, lebt. Jeder Tag ist anders und neu. Wenn Puppenspielen für mich nur ein Job wäre, würde es mich erschöpfen.

ZIMMERMANN: Wie hat Ihr Umfeld auf Ihren neuen Beruf reagiert?

SCHARF: Meine Kinder haben gemeint: „Mach das nur!“ Natürlich hat es auch skeptische Reaktionen gegeben. Meistens ging es um die Sicherheit. Ein paar meinten auch: „Da gibt’s auch welche, die haben das studiert und du nicht.“ Selbst nach ein paar Jahren gab es Meldungen wie: „Was? Du spielst noch immer Kasperltheater?“ Wenn man die Sache von einer theoretischen Seite aus betrachtet, sieht man es nun mal so. Wichtig ist für mich, dass meine Seele wächst und wie sehr ich liebe, was ich tue.

ZIMMERMANN: Wo holen Sie sich ihre Ideen? Was inspiriert Sie?

SCHARF: Viele Dinge regen mich dann zum Nachdenken an und fließen über Umwege dann in meine Arbeit ein. Der Grundstein für meine Geschichten ist immer ein Erlebnis von mir. Das verknüpft sich dann mit einem Bild, das ich sehe oder einer Geschichte, die ich lese. Ein Stück von mir handelt zum Beispiel von einem Schneckenhaus. Inspiriert dazu hat mich mein eigener Hauskauf.

ZIMMERMANN: Haben Sie schon einmal daran gedacht aufzuhören?

SCHARF: So richtig habe ich noch nie an dem, was ich mache, gezweifelt. Im Hinterkopf hab’ ich immer: Würde ich aufhören, wäre es kein Scheitern.

ZIMMERMANN: Wie halten Sie sich finanziell über Wasser?

SCHARF: Das ist so eine Sache. Inzwischen ist es fast soweit, dass ich etwas verdiene. Allerdings mache ich auch Lernbetreuung, bei der ich Kinder unterstütze und zusätzliches Geld verdiene.

ZIMMERMANN: Was war Ihr bisher schönster Moment als Puppenspielerin?

SCHARF: Der Start! Das erste Stück, das ich ganz alleine auf die Füße gestellt habe. Damals hatte ich noch kein Hintergrundwissen, aber die Geschichte ist mir quasi geschenkt worden. Das Stück ist eine Aufarbeitung für mich selbst, weil es über den Tod und unseren Umgang damit geht. Zu dieser Zeit ist mein Bruder gestorben und sein Tod war es auch, der mir gezeigt hat, ich solle den Tag nützen und endlich mit dem anfangen, was mir wirklich gefällt.

 

Kleine Zeitung, 15.12.2007 (Katharina Zimmermann)

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