Turm und Drang: Der Himmel ist das Limit
Der Wettlauf um das höchste Bauwerk der Welt geht in die nächste Runde. Dubai hat die Nase vorn.
Hannes Uhl
Nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York schien das Ende der extremen Hochhaus-Architektur gekommen. Heute, sieben Jahre nach dem Kollaps der Zwillingstürme, ist klar: Der Bauboom ist ungebrochen. Die Höhenjagd geht weiter –ungebremst. In Dubai. dem Wüstenemirat am Persischen Golf. steht zurzeit das höchste Gebäude der Welt, wenn auch noch inoffiziell. Erst nach Fertigstellung des Burj Dubai im kommenden Jahr muss der 508 Meter hohe Taipei-101-Turm in Taiwan auch offiziell abdanken. Wie hoch der 1.2-Milliarden-Euro-Turm letztendlich sein wird, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Zurzeit ragt er laut Homepage der Immobiliengesellschaft Emaar 688 Meter in den Himmel, 700 bis 818 Meter sollen es werden. Der architektonische Fingerzeig soll noch in 100 Kilometer Entfernung zu sehen sein. "So ein Bau ist eine gigantische Herausforderung," sagt Heinz Neumann, Wiener Architekt mit Faible für den Hochhausbau, der den Turm in Dubai unter die Lupe nehmen durfte, "alleine die Logistik ist ein Wahnsinn." 7500 Ingenieure und Arbeiter sind im Drei-Schicht-Betrieb auf der Megabaustelle beschäftigt, alle drei bis vier Tage kommt ein weiteres Stockwerk hinzu. Die Arbeiter stellen sich größten Herausforderungen: Sie sind der Witterung schutzlos ausgeliefert, und in Hunderten Meter Höhe werden extreme Windstärken erreicht. Schwindelfreiheit ist sowieso Pflicht. Ihr Hungerlohn: Drei bis fünf Euro - am Tag. Ein Ende der Höhenjagd ist nicht in Sicht. „Der Traum des Turmbaus zu Babel ist so alt wie die Menschheit,“ sagt Neumann, „das Limit liegt in den Sternen.“ 1600 Meter hoch. Erst kürzlich hat der saudische Milliardär Prinz Walid bin Talal bekannt gegeben, dass er im saudischen Dschidda ein 1600 Meter hohes Gebäude errichten lassen will. Doch auch der Burj Dubai hat noch einen Trumpf im Ärmel: Er ist an der Spitze so konstruiert, dass bei Bedarf ein paar Stockwerke nachgelegt werden können.
Kurier, 28.09.2008