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Gesunder Klatsch

 

Franziska Lipp

 

Klatsch ist vielfältig: Es geht um Lust, um Moral, um Macht, um Toleranz und um Normen. Karoline Greimel, klinische Psychologin aus Salzburg, hält den Klatsch für gesund, solange die Dosierung stimmt: "Menschen, die gar nicht klatschen, tendieren zu Isolation. Sie interessieren sich wenig oder gar nicht für andere Menschen und Beziehungen. Tratscht jemand zu viel, geht es ihm meist um das eigene Selbstwertgefühl. Er will im Mittelpunkt stehen, sich interessant machen, indem er andere ausgrenzt. Das hat mit gesundem Klatsch nichts mehr zu tun."

Psychologen schätzen, dass sich 60 Prozent aller Unterhaltungen zwischen Erwachsenen um Menschen drehen, die nicht anwesend sind. "Beim Klatsch geht es um soziale Beziehungen. Und jeder hat Angst, dass er selbst zum Inhalt von Klatschgeschichten wird", erklärt Karoline Greimel. Klatsch wirke wie ein Kitt. Er fördere und festige Beziehungen, da man mit der Weitergabe neuer Informationen signalisiere, dass man dem Gesprächspartner voll und ganz vertraut.

Klatsch ist also eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Wer klatscht, zeigt, dass er wohl informiert ist und er gibt dabei viel über sein eigenes Werte- und Normensystem preis. "Vergleiche sind wichtig für den Zusammenhalt innerhalb einer Gesellschaft, einer Gruppe. Jeder kann seine Verhaltensstandards überprüfen", sagt Greimel. Ungesund und verwerflich werde Klatsch, wenn es darum gehe, jemanden auszugrenzen oder sogar Rufmord zu betreiben.

Den Klatsch gab und gibt es schon immer: Die Finnen klatschen in der Sauna, die Araber beim Brettspiel, Frauen beim Kaffeetrinken, neuerdings auch beim "Chillen" (Entspannen) in der flotten Bar, Männer immer noch sehr gern am Stammtisch. Der Kaffee kam erst später: Um 1660 wurde im Hafen von Marseille mit Rohkaffee gehandelt. Es dauerte nicht lange, bis sich die Bürger ihren Kaffee auch zu Hause brauten.

300 Jahre ist das kulturgeschichtliche Phänomen Kaffeeklatsch also erst alt. Es zeichnen sich darin bereits Spuren weiblicher Emanzipation ab. "Der geschützte private Rahmen des Kaffeekränzchens erlaubte es unseren Ururgroßmüttern, sich frei über all die Dinge zu äußeren, die sie bewegten" schreibt Katja Mutschelknaus in ihrem Buch "Kaffeeklatsch".

Ammenmärchen, dass Kaffee entwässert oder zu Herzflattern führt, sind längst widerlegt: Kaffee ist ideal für den Kreislauf und bei hohem Blutdruck. Das Koffein aktiviert das zentrale Nervensystem, regt den Stoffwechsel und die Atmung an.

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INFO:

Das Wort „Klatsch“ stammt aus der vorindustriellen Zeit, als Frauen ihre Wäsche noch mühselig im Bach wuschen. Die schweren, nassen Kleiderstücke wurden auf die Ufersteine geklatscht, damit sie sich leichter auswringen ließen. Und begleitet wurde diese schwere Arbeit von Gekicher und Geplauder.

Salzburger Nachrichten, 13.09.2008

 



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