Junge Bauleiterin setzt ihren Kopf durch
Von Ulrike Rubasch
Die Sonne sticht, jeder Schritt ist anstrengend. Daniela Barth ist dennoch gut gelaunt auf der Baustelle, als sie von ihrem Kontrollrundgang zurückkommt. Sie ist für das Wohnprojekt Gerstenweg in Pasching verantwortlich, wo in einem ersten Bauabschnitt 21 Wohnungen errichtet werden.
Schon mit 14 interessierte sie sich für Technik und HTL, doch die Eltern waren dem eher abgeneigt, weshalb sie das Gymnasium absolvierte. Nach der Matura ließ der Wunsch nach einem technischen Beruf nicht nach. Sie besuchte ein Kolleg für Bautechnik in Baden bei Wien, arbeitete danach zwei Jahre in einem Architekturbüro in Steyr. „Das war mir aber viel zu fad." Also bewarb sie sich – erfolgreich – auf die Ausschreibung eines Technikers für Sanierung bei der Linzer Genossenschaft „Familie". „Das war ein Sprung ins kalte Wasser", erinnert sie sich. Immerhin war sie damals mit 23 Jahren blutjung.
„Am Anfang haben sie mich schon belächelt auf den Baustellen, aber meine Firma hat mich immer super unterstützt." Ihr persönlicher Horror waren damals Wasserschäden. „Ich erinnere mich, wie ich einmal deswegen am Boden zerstört war. Ich hab zu Hause Rotz und Wasser geheult." Heute nehme sie so etwas nicht mehr so persönlich. „Menschen können Fehler machen."
Neben dem Beruf schloss sie das Fernstudium für Wirtschaftsingenieurswesen erfolgreich ab und machte die Baumeisterprüfung. Die Hobby-Sportlerin (Ski, Rad, Laufen) beschreibt ihre Aufgaben so: „Es ist ein Bürojob mit Außendienst. Also keine körperliche Arbeit." Barth koordiniert Ausschreibungen, prüft Angebote, wickelt die Wohnbauförderung ab, verhandelt Preise, prüft Rechnungen, kontrolliert Maße und Ausführung auf den Baustellen, bildet das Bindeglied zwischen den einzelnen Handwerkern und Firmen.
Wäre das nicht etwas für andere Frauen auch? „Man soll Berufe nicht geschlechterspezifisch einordnen. Jeder kann fast alles machen, wenn er oder sie will", sagt Barth. Auf jeden Fall seien technische Berufe besser bezahlt als typische Frauen-Berufe wie Bürokauffrau oder Friseurin.
OÖ Nachrichten, 25.07.2009