Mit Klick zum Glück
Hedwig Derka, Uta Hauft
Also sprach der Schwarze Panther vom Alsergrund: „Die Erste hatte einen Hieb, ganz generell; die Zweite einen guten Charakter, aber eine schiache Optik – auch noch nach literweise Bier; die Dritte nur das Zeug zur guten Freundin; die Vierte einen Esoterik-Vogel." Allesamt: „Kontakte für maximal drei Monate." Mit der fünften WWW-Bekanntschaft lebt der echte Wiener nun in einer fixen Beziehung. Endlich die große Liebe, glücklich seit drei Jahren.
Die Partnersuche im Internet liegt erstmals nach „Ausgehen" und „Freundeskreis" auf Platz drei jener Orte, an denen die Österreicher jemanden kennenlernen. Laut aktueller Studie haben bereits 900.000 online einen Partner gefunden.
"Die Partnervermittlung über das Internet geht relativ schnell, auch wenn es eine schlimme Fleischbeschau ist", sagt der Schwarze Panther vom Alsergrund. Weil es im Alltag mit den Frauen nie geklappt hatte, suchte er sein Glück in einer kostenlosen Singlebörse. Seine Sternschnuppe landete zufällig im Chatroom. Ein riesiges Glück. Denn: „Neunzig Prozent sind seltsame Kontakte", resümiert der Mittvierziger.
"Ich habe geschaut, was die Konkurrenz macht. Die Frauenprofile lesen sich viel interessanter", sagt Lore Huber, die auch internationale Erfahrungen in Sachen Online-Partnersuche hat. Auch sie weiß: Den Männern geht es mehr um Sex und Seitensprünge – vor allem auf den Gratis-Plattformen. Bei den kostenpflichtigen Agenturen gibt's fürs gute Geld Psychoreports und Auswertungen. Man erfährt über sich nicht immer, was man wissen will. „Es ist unangenehm und schwierig, sich selbst zu beschreiben. Man möchte sich gut verkaufen, aber nicht überheblich klingen. Man möchte sich von der Masse abheben, das kann aber in die Hose gehen", sagt die fesche Managerin. In Großbritannien, wo sie arbeitet, gibt es aus diesem Grund Börsen, in denen Bekannte den suchenden Single charakterisieren. Letztlich klingen alle Beschreibungen gleich.
Generationswechsel
Auch jüngere Semester nützen den Computer für die Partnerwahl – jedoch abseits (entgeltpflichtiger) Agenturen. „Ich glaub' nicht, dass ein Typ, der so viele Partyfotos auf facebook hat, etwas für mich sein kann", sagt Camilla, 19. „Niemand für eine ernsthafte Beziehung." Eine längst übliche Vorgehensweise der Teenager, um mehr über den zukünftigen Ja/Nein/Vielleicht-Freund herauszufinden.
Wo Parship und andere Plattformen Geld sehen wollen, ermöglichen boomende Socialnetworks wie facebook spielerisches Kennenlernen. Gleiche Hobbys? Gleicher Musikgeschmack? Ein Login sagt mehr als tausend Worte.
Kurier, 05.09.2009